Was ist die Hanfpflanze?

Ein Portrait

Cannabis, besser bekannt als das Ausgangsmaterial von Marihuana, ist eine der bemerkenswertesten und zugleich umstrittensten Pflanzen der Erde. Obwohl ihr Erscheinungsbild weniger komplex erscheint als zum Beispiel das der Säugetiere, ist diese Pflanze deutlich vielschichtiger, als sie auf den ersten Blick zu sein scheint.

Sie wurde im Laufe der Jahrtausende durch menschliche Nutzung, in China wird sie zum Beispiel seit über 10000 Jahren genutzt , auf eine Vielzahl verschiedener Einsatzgebiete gezüchtet[1]. Ungenauerweise werden allerdings auch die einzelnen Pflanzenteile (Fasern, Samen, Blätter, Blüten) als Hanf bezeichnet, aus ihnen lassen sich eine Vielzahl verschiedener Produkte herstellen, auf die wir allerdings erst später eingehen werden. Was aber macht den Hanf zu diesem besonderen Weggefährten des Menschen? Der Ethnopharmakologe Dr. Christian Rätsch beschreibt es wie folgt: „Ähnlich wie der Büffel ist der Hanf eine Pflanze mit vielseitiger Verwertung. Die Samen dienen als Nahrung für Mensch und Tier und liefern vielfach verwendbares Öl, die weiblichen Blüten bilden das begehrte berauschende Harz und werden als Medizin und Aphrodisiakum genutzt. Die Stengel liefern dauerhafte stabile Fasern zur Herstellung von Seilen, Netzen, Papier, Kleidung, die Wurzeln sind medizinisch brauchbar. Aus den Blättern werden Pasten und Getränke zubereitet. Aus den Stengeln werden schamanische Ritualgegenstände (Zauberstäbe) geschnitten, Hanffasern dienen als Amulette, rituell hergestellte Hanfstricke werden als magische Schutzmittel genutzt.“[4]

Die Hanfpflanze

Schauen wir uns aber zunächst an, wie Cannabis aufgebaut ist. Die Hanfpflanze gehört zur Gattung der Hanfgewächse (Cannabaceae), und ist dort, zusammen mit dem Hopfen, ihr prominentester Vertreter. Die einjährige Pflanze ist, wenn sie medizinisch oder „medizinisch“ – Ihr wisst, was ich meine – genutzt wird, diözisch (zweihäusig), also zweigeschlechtlich. Es gibt also weibliche und männliche Pflanzen, die weibliche und – tadaa! – männliche Blüten tragen. Verwendet werden allerdings nur die weiblichen Pflanzen, da nur sie die gewünschten Cannabinoide, Terpene und Flavonoide in ausreichenden Mengen enthalten. (schaut Euch dazu am besten unseren Artikel über die Hauptwirkstoffe der Hanfpflanze an) Monözische (Einhäusige), also eingeschlechtliche , zwittrige Pflanzen gibt es zwar auch, diese werden allerdings nur als Nutzhanf verwendet.
Das markanteste der Pflanze sind ihre Blätter, die einer Hand ähneln und einen „gezackten“ Rand haben. Die Anzahl der Finger kann variieren, mal sind es fünf, gewöhnlich aber sieben bis neun und höchstens dreizehn Blättchen an einer Hand. Übrigens haben die ersten Blattpaare, die Keimblätter nur ein Blättchen, die berühmte Blattform entwickelt sich erst etwas später. Zur Krone hin nimmt die Anzahl der Finger wieder ab, so finden sich an den Blütenenden wieder Einzelblätter. Im unteren Bereich der Pflanze, entlang der sogenannten Spossachse, stehen sich die Blätter gegenüber. Weiter oben gibt es dann aber keine Blätter mehr, die sich so exakt gegenüberstehen.
In diesen beschriebenen Merkmalen sind alle Hanfpflanzen gleich, sie bilden quasi den kleinsten gemeinsamen Nenner. Alles andere variiert bei Cannabis wahnsinnig. So gibt es Arten, die die nur 30 cm hoch werden, andere allerdings bis in 4m Höhe wuchern. Sie können einen einzigen festen Stängel haben oder wie ein Busch aus dem Boden sprießen. Auch die Farbe der Blätter kann von einem saftigen dunklen Grün bis zu einem hellen Grün mit einem deutlichen Rotstich auftreten[8].

Zwar haben alle Cannabis-Arten einen gemeinsamen Ursprung in Zentralasien [10],  es haben sich aber im Laufe der Zeit drei bekannte Phänotypen, also Erscheinungsformen, ausgebildet, um sich an neue Lebensräume anzupassen: Zum einen C. Sativa, welches im Gürtel 30° nördlich und südlich des Äquators vorkommt. C. Indica, welches sich im subtropischen Gebiet um Afghanistan und Pakistan beheimatet hat und C. Ruderalis, welches im Zentralasiatischen Raum (Kasachstan, Südrussland und Aserbaidschan) angesiedelt ist[11].

Unterschiedliche Erscheinungsformen des Cannabis: Indica, Sativa und Ruderalis

[Abbildung 1: Unterschiedliche Erscheinungsformen des Cannabis: Indica, Sativa und Ruderalis]

Anhand der Blätter (siehe Abbildung 1) kann man recht leicht auf einen der drei Phänotypen, schließen. So sind die Blätter des Sativa Phänotypus sehr schmal und lang mit einem sehr stark gezackten Rand, was den Blättern eine fast schon stachelige Optik verleiht. Die Blätter des Indica-Typus sind dahingegen viel breiter. Ruderalis ist leicht daran zu erkennen, dass die Blätter generell eher klein sind und in ihrem Aussehen zwischen dem von Sativa und Indica liegen[9].

Cannabis, Sativa, Fruchtkörper, Blüte, männlich, weiblich, Blütenkelch

[Abbildung 2: A: blühende männliche und B: fruchtende weibliche Pflanze; 1: männliche Blüte; 2,3: Staubbeutel von verschiedenen Seiten; 4: Pollenkorn; 5: weibliche Blüte mit Schutzblatt; 6: dieselbe ohne Schutzblatt; 7: Fruchtknoten im Längsschnitt; 8: Frucht mit Schutzblatt; 9: dieselbe ohne Schutzblatt; 10: Same; 11: derselbe im Querschnitt; 12: derselbe im Längsschnitt; 13: Same ohne Samenschale]

Aber nun zu dem, was einige von Euch etwas mehr interessieren wird – Der weiblichen Blüte.
Die Blüten sind allerdings nicht nur ein zusammengewürfelter Haufen Blätter und Harz. Die Blüten und oberen Blätter, welche die Cannabinoide und anderen Inhaltstoffe – je nach Pflanzenart – enthalten, und dort die Blütenkelche sind der Ausgangsort der weißen Härchen, der Stempel. An ihnen kann man sehr gut das Geschlecht der Pflanzen identifizieren, da sich diese vor Beginn der Blütephase an den Blattknoten ausbilden. Sie werden von der Pflanze entwickelt um den Pollen der männlichen Pflanze zu empfangen. Solange das nicht passiert, wird die weibliche Pflanze alles daran setzen noch größere und prächtigere Blüten zu entwickeln. Dabei wachsen zwischen und um die eher unscheinbaren Kelche herum auch „gewöhnliche“ Blätter, wodurch sie erst während der späten Phase der Blüte anschwellen und dadurch besonders erkennbar werden. Manche dieser Blüten können sehr kompakt sein andere können nur sehr lose formiert sein. In der Regel sorgen die Einflüsse der Indica-Genetik dafür, dass die Blüten ein eher kompaktes Erscheinungsbild bekommen. Lediglich die ursprünglichen und unberührten Sativa-Sorten (Landrassen) entwickeln sehr luftige Blüten[8,10]. Diese Landrassen, sowohl von Indica und Sativa, sind heutzutage allerdings sehr selten anzutreffen, da es fast nur noch Kreuzungen gibt. Falls ihr an dieser Thematik der Kreuzungen interessiert seid, empfehlen wir, dass Ihr euch auf der Website von Seedfinder.eu vorbeizuschauen.

Eingrenzung der Arten

Lange Zeit war es unklar, ob die Cannabispflanze aus einer oder mehreren Arten besteht. In wissenschaftlichen Arbeiten des letzten Jahrhunderts wurden bis zu fünfzehn, vermeintlich unterschiedliche, Arten erwähnt. Heute gilt sie als monotypisch, d.h. es gibt nur eine Art: Cannabis sativa Linnaeus (nach Carl von Linné). Alle anderen „Arten“ werden in der Kew-Liste der Royal Botanic Gardens in London als Synonyme von Sativa geführt. [2] Einige von Euch werden jetzt bestimmt aufschreien: „Aber es gibt doch Sativa und Indica! Und ich habe auch noch was von Ruderalis gehört!“ Damit habt Ihr auch nicht ganz unrecht. Primär im populärwissenschaftlichen Bereich werden trotz des einen Cannabis-Typus diese drei „Arten“ unterschieden: In C. Sativa, indica und ruderalis. Damit werden aber eher die Rauscheigenschaften beschrieben.
Das Sativa-High wird oft als stimulierend und energetisierend beschrieben. Die Wirkung wird als „Kopflastig“ umschrieben, sie vermittelt ein Gefühl von Optimismus und Wohlbefinden, und es können halluzinogene Effekte auftreten. Obwohl es eigentlich C. Indica nachgesagt wird, mehr THC zu enthalten, gibt es heute auch reine Sativa-Typen mit hohem THC-Gehalt.
Die Wirkung von Indica wird als Körper-High beschrieben. Dieser Typ wird vor allem zur Entspannung, Stressreduktion und für ein generelles Gefühl von Ruhe und Gelassenheit verwendet und auch gerne zur Bekämpfung von Schlaflosigkeit konsumiert.
C. Ruderalis stammt vermutlich von C. Indica ab und besitzt einen hohen CBD- und geringen THC-Gehalt.
Wusstet Ihr, dass Cannabissorten anhand eines „Fingerabdrucks“ aus Cannabinoid- und Terpen-Profilen charakterisiert und unterschieden werden können? Dabei spielen allerdings der THC- und CBD-Gehalt keine Rolle, da die unterschiedlichen Wirkungen von Cannabis nicht nur von THC und CBD sondern allen Cannabinoide, Terpene und Flavonoiden, kurz dem Entourage-Effekt abhängt[12].
Neben dieser Unterscheidung wird in der Literatur oftmals zwischen Cannabis – zur medizinischen Nutzung und zum Rausch – und dem Nutzhanf unterschieden. Nutzhanf darf dabei in Deutschland einen THC-Gehalt von 0,2% überschreiten um auszuschließen, dass er zu Rauschzwecken missbraucht werden kann.[3]

Quellenangabe:
[1] Allegret, S. (2013). The History of Hemp. In P. Bouloc, S. Allegret, & L. Arnaud (Hrsg.), Hemp: industrial production and uses (S. 4-9). Bar sur Aube, France: La Chanvriere de L‘ Aube (LCDA).
[2] Grotenhermen, Franjo ; Häußermann, Klaus: Cannabis : Verordnungshilfe für Ärzte. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2017. ISBN 978-3804737594
[3]Frank Waskow: Hanf & Co.: die Renaissance der heimischen Faserpflanzen. Hrsg.: Katalyse-Institut für Angewandte Umweltforschung. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1995, ISBN 3-89533-138-4, S.45.
[4] Christian Rätsch, Dr. : Hanf als Heilmittel: Ethnomedizin, Anwendungen und Rezepte. Nachtschattenverlag, Solothurn, ISBN 978-3-03788-390-7, S.10.
[5]Li, Hui-Lin. “The Origin and Use of Cannabis in Eastern Asia Linguistic-Cultural Implications.” Economic Botany, vol. 28, no. 3, 1974, pp. 293–301.Abgerufen von: http://www.jstor.org/stable/4253516.
[6] Bócsa, Iván ; Karus, Michael: Der Hanfanbau : Botanik, Sorten, Anbau und Ernte. Köln: Müller, 1997.
[7] Boyce, S. S. (1900). Hemp (Cannabis Sativa) : a practical treatise on the culture of hemp for seed and fiber, with a sketch of the history and nature of the hemp plant. Abgerufen von https://archive.org/details/b28086211
[8]https://www.hanfsamenladen.com/wie-man-hanf-erkennt
[9]https://sensiseeds.com/de/blog/was-sie-uber-cannabisblatter-wissen-mussen/
[10]Hillig, K. W. (2005). Genetic evidence for speciation in Cannabis (Cannabaceae). Genetic Resources and Crop Evolution52, 161-180. doi:10.1007/s10722-003-4452-y
[11]Small, Ernest: Cannabis : A Complete Guide. Boca Raton, Fla: CRC Press, 2016.
[12] John M. McPartland DO, MS & Ethan B. Russo MD (2001) Cannabis
and Cannabis Extracts, Journal of Cannabis Therapeutics, 1:3-4, 103-132, DOI: 10.1300/J175v01n03_08

4 Kommentare zu „Was ist die Hanfpflanze?

Gib deinen ab

  1. heya! super Beitrag… ich habe mir die Mühe gemacht, alles was CBD & THC in der Forschung betrifft und auf pubmed.gov veröffentlicht wird, zu übersetzen und auf yeswecannabis.wordpress.com zu veröffentlichen. Vielleicht magst Du was dfüber schreiben, würde mich freuen!

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    1. Hey hey, coole Seite 🙂 Steckt bestimmt einiges an Arbeit hinter. Auf unserem Blog kommen leider nur Artikel über psychoaktive Substanzen. Wir sind Anfänger was das Bloggen angeht. Können wir dich irgendwie anders supporten, also ohne ein Artikel über deine Seite zu schreiben :).

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